VEREIN EMail Mappe
    Suche Login
ABTEILUNGEN  Handball  1.Männermannschaft
17/04/2018
Rietschener Erfolgstrainer wechselt nach Görlitz.
Philipp Domko übernimmt die Koweg-Handballer. Er löst Jürgen Rost ab, der das Team vielleicht zum Sachsentitel führt.

Von Robert Eifler
Sächsische Zeitung, Ausgabe vom 17.04.2018


Was die Spatzen schon seit Wochen von den Görlitzer und Rietschener Dächern pfeifen, haben die Handballvereine beider Orte jetzt offiziell verkündet. Ab Juni wird Philipp Domko, derzeit Coach beim Verbandsligisten SSV Stahl Rietschen, das Amt des Trainers beim SV Koweg Görlitz übernehmen und damit Jürgen Rost ablösen. Der Wechsel erscheint vor dem Hintergrund der sportlichen Leistung der Görlitzer Mannschaft zunächst überraschend. Koweg hat am kommenden Sonntag die Chance, mit einem Sieg über den Tabellenführer ZHC Grubenlampe den Sachsentitel zu gewinnen und den größten Erfolg der Vereinsgeschichte im Männerhandball zu feiern. Auf den zweiten Blick macht diese wichtige Personalentscheidung aber Sinn.
Als vor einem Jahr Petr Masat seinen Chefposten bei den Sachsenliga-Handballern nach drei erfolgreichen Jahren mit zuletzt zwei Bronzeplätzen abgab und in die tschechische Extraliga wechselte, war Koweg gezwungen, schnell Ersatz zu finden. Aufgrund des späten Zeitpunktes waren die Optionen begrenzt, zumal kurzfristig ein neuer Trainer präsentiert werden musste, der ungebunden war und unmittelbar mit der Saisonvorbereitung loslegen konnte. Schnell handlungseinig wurden die Neißestädter mit Jürgen Rost, 69-facher DDR-Nationalspieler und Vizeweltmeister 1974, der nach einer wackligen Startphase die Mannschaft bis auf den (vorerst) zweiten Tabellenplatz führte. Und dennoch waren die Verantwortlichen von Koweg angehalten, sich weiter auf dem Trainermarkt umzusehen. Für den aus Freital stammenden Rost erwiesen sich die mehrmaligen Fahrten pro Woche in die östlichste Stadt Deutschlands zunehmend als zu zeitintensiv, vor allem die Wintermonate ließen den Aufwand unkalkulierbar erscheinen. „Wir sind Jürgen überaus dankbar, dass er uns vor einem Jahr ohne großes Zögern zugesagt und die Mannschaft übernommen hatte. Das hat uns Zeit verschafft an einer langfristigen Lösung zu arbeiten“, sagt Kowegs Sportmanager Mario Ahnert.
Diese sieht man nun in Philipp Domko, der in Görlitz kein Unbekannter ist. Der 29-Jährige wechselte bereits 2012 als Spieler für die Rückraumpositionen in die Neißestadt. Zwei schwere Verletzungen beendeten aber früh seine aktive Laufbahn. Einem Kreuzbandriss im Dezember gleichen Jahres mit anschließender Operation folgte im Sommer 2013 ein weiterer Eingriff an der Wurfschulter. „Nach vielen Monaten Aufbautraining konnte ich selbst einfache Pässe nicht schmerzfrei spielen, geschweige denn aufs Tor werfen. Die Ärzte stellten dann eine Arthrose fest. Da war für mich das Handballspielen vorbei“, so Domko. Und das in einem Alter von gerade einmal 24 Jahren. Doch Domko machte aus der Not eine Tugend und nahm eine Trainerlaufbahn in Angriff. Im Sommer 2014 schloss er seine C-Trainerlizenz ab (2016 folgte die B-Lizenz) und heuerte beim Verbandsligisten HSV Pulsnitz an, mit dem er es auf den Bronzeplatz schaffte. Nach nur einem Jahr ging es dann zurück nach Rietschen, wo er mit erst 15 Jahren die Sportart für sich entdeckt hatte. Er übernahm die erste Männermannschaft in der Bezirksliga und führte sie schließlich 2017 in die Verbandsliga. In der höheren Spielklasse ist der alles andere als selbstverständliche Ligaverbleib bereits geschafft. Beeindruckend, so sagen es Beobachter, sei seine ständige Kommunikation mit den Spielern und die umgehende Korrektur von aufgetretenen Fehlern.
Nun folgt mit dem Wechsel nach Görlitz ein weiterer Schritt. Domko: „Der sportliche Reiz, einen so ambitionierten Sachsenligisten in meinem Alter zu übernehmen, ist für mich sehr groß. Diese Möglichkeit wollte ich mir nicht entgehen lassen.“ Dass es zu Problemen aufgrund des Alters oder der gemeinsamen Geschichte mit einigen Koweg-Spielern kommen könnte, sieht Domko nicht. „Es ist das gleiche Thema wie bei meinen Stationen in Pulsnitz und Rietschen. Bei beiden Vereinen war ich zuvor Spieler, und es gab keinen negativen Einfluss. Im Gegenteil: Für mich und für die Spieler lief dadurch die Anpassung aneinander wesentlich schneller. Und letztlich zählt nur die Leistung als Trainer“, so Domko. Seine Ziele in Görlitz sind dabei schon klar formuliert: „Sollte Koweg auch nächstes Jahr noch in der Sachsenliga sein, dann sollten wir wieder um die Meisterschaft mitspielen und diese auch gewinnen. Gleichzeitig muss man den Kader aber auch ständig weiterentwickeln, damit man so ein Abenteuer wie Mitteldeutsche Liga auch angehen kann.“
In diese Entwicklung zählt auch der eigene Nachwuchs hinein, junge Talente sollten herangeführt und integriert werden. Für diesen Schritt muss Domko aber noch ein wenig warten, aktuell gibt es keine A-Jugend bei Koweg. Den aktuellen Kader hält Domko für qualitativ recht gut besetzt, nicht umsonst spiele man um die Meisterschaft mit. Allerdings fehle es an Breite, vor allem im Rückraum. „Die begrenzte Anzahl an Rückraumspielern ist sehr risikoreich. Fallen mal zwei Spieler aus, muss man improvisieren, was nicht Sinn der Sache ist, wenn man oben mitspielen will. Außerdem ist diese Dauerbelastung nicht gut für die Gesundheit der Spieler. Ich denke, man muss gerade da nach internen und externen Lösungen suchen“, meint Domko. Einzuschätzen vermag er das ganz gut, immerhin gab es bei Turnieren und Freundschaftsspielen der letzten Jahre genug Schnittstellen zwischen ihm und der Mannschaft. Für die Vorbereitung können sich die Görlitzer jedenfalls auf einiges gefasst machen. „Es wird sehr intensiv werden“, verspricht Domko, ohne zuviel Details preiszugeben. Ein paar Sachen sind aber schon jetzt klar: Ab Juni wird es zwei größere Trainingsphasen geben, getrennt von einer kurzen Pause. Enthalten sind zwei mehrtätige Trainingslager in Görlitz und im polnischen Zagan. Domko: „Neben unseren gemeinsamen Einheiten erwarte ich eine gewisse Selbstständigkeit außerhalb der Halle von den Jungs.“
Bevor die gemeinsame Arbeit aber beginnt ist die aktuelle Saison noch zu Ende zu führen. Beide Trainer, Domko und Rost, stehen dabei für volle Konzentration bei ihren jetzigen Mannschaften. Rietschen will die starke Verbandsligasaison mit einem Heimsieg abschließen, Görlitz mit einem Sieg am Sonntag vielleicht sogar den Sachsentitel schaffen.


Foto: H.-E. Friedrich (SZ)




Finde uns auf facebook...




VEREIN ABTEILUNGEN SPORTSTÄTTEN SPONSOREN FANCORNER KONTAKT IMPRESSUM
2007-2008 All rights reserved   |   SV Koweg Görlitz e.V. Diesterwegplatz 8, D-02827 Görlitz, Tel:(03581)412077, fax:(03581)7090020   |   email: office@sv-koweg.de